Obala 46, 51511 Malinska, Hrvatska

Die archäologische Stätte Cickini

Wurde in der Spätantike (5.–6. Jahrhundert) ein Sakralkomplex errichtet, der heute als Cickini-Stätte bekannt ist.

Abseits der größeren städtischen Zentren wurde an der Straße, die die beiden antiken Städte Fulfinum und Curicum miteinander verband, in der Frühantike eine Villa Rustica erbaut. In ihrer Nähe wurde in der Spätantike (5.–6. Jahrhundert) ein Sakralkomplex errichtet, der heute als Cickini-Stätte bekannt ist.

Es handelt sich dabei um eine einschiffige Kirche mit einem Querschiff in Südost-Nordwest-Richtung. Auf der Rückseite befindet sich eine halbkreisförmige Apsis mit einem siebenseitigen Außenmantel und einer an die Innenwand angeschlossenen Priesterbank. Bei der Kirche befinden sich Nebenräume und ein Baptisterium. Der Chor war durch eine reich verzierte Kommunionbank vom Kirchenschiff getrennt. Östlich der Kirche befindet sich ein größerer Wohnkomplex mit Lagerräumen, einer Zisterne, einer Küche, einem Esszimmer und den Überresten einer Treppe, die in den ersten Stock führte.

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts wurde der Komplex durch einen Brand zerstört, dennoch wurde die Kirche noch einige Zeit in reduziertem Maße so genutzt, dass die Arme des Querschiffs geschlossen wurden. Der Komplex wurde wahrscheinlich im späten 8. Jahrhundert verlassen.

Steinbecken (Piscina), 5./6. Jahrhundert, Archäologische Sammlung Cickini

Baptisterium

Das Baptisterium befindet sich vor der Kirchenfassade, an die es angeschlossen ist. Da das Gelände vor der Kirche stark abfällt, befindet sich das Baptisterium auf einer etwas tieferen Ebene und kann über zwei Treppen erreicht werden. Im Baptisterium ist der verputzte Boden erhalten geblieben, in dessen Mitte sich ein Taufbecken aus dem 6. Jahrhundert befindet. Das Becken hat eine unregelmäßige polygonale Form mit fünf halbkreisförmigen Nischen, einem Durchmesser von zwei Metern und einer Höhe von ca. 70 cm. Der Innenraum ist komplett mit hydraulischem Kalkputz verkleidet. Keine direkte Analogie zu dieser Art von Taufbecken sind noch nicht gefunden. Damit man es für die Immersionstaufe betreten konnte, gab es auf der Nordwestseite, wo die Wand des Baptisteriums dünner ist, Holzstufen. Da sich der Komplex außerhalb der städtischen Zentren befindet, spielte er bei der Christianisierung der ländlichen Bevölkerung dieses Gebiets sicherlich eine wichtige Rolle.

Neben dem gemauerten Taufbecken fand man an dieser Stelle auch ein Steinbecken (Piscina), das wahrscheinlich für die Taufe von Kindern genutzt wurde. Am oberen Rand dieses Beckens befinden sich vier Vorsprünge. Drei der Vorsprünge enthalten eingravierte Symbole, u. a. ein Kreuz, und der vierte hat einen Hohlraum für Salben.


Altarschranke – Pluteus, 5./6. Jahrhundert, Archäologische Sammlung Cickini 

Altarschranke

Die bedeutendsten beweglichen Funde dieses Komplexes sind die Überreste der Altarsschranke, die den Altarraum vom Raum der Laien trennte. Es handelt sich dabei um Überreste von Kapitellen, Halbkapitellen, Pilastern und Plutei (Reliefsteinplatten), die das Innere der Kirche mit ihren Reliefszenen zierten. Die meisten Fragmente sind zerbrochen und wurden nicht an ihrem ursprünglichen Standortgefunden, da die Altarschranke entfernt wurde, als die Kirche umgebaut und verkleinert wurde. Angesichts der unterschiedlichen Plattenstärke können wir den Schluss ziehen, dass das Kirchenmobiliar im Laufe der Zeit aufgrund von Schäden oder Modifikationen in der Liturgie ausgewechselt wurde.

Den am besten erhaltenen Pluteus ziert ein flaches Relief mit einem Kreis und einem Malteserkreuz im Inneren sowie einem weiteren kleineren Kreis in der Mitte, sodass es einem Rad ähnelt. Rechts vom Kreis befindet sich ein Pfau, der vollständig erhalten ist. Auf der anderen Seite kann man die Beine eines weiteren Pfaus erkennen, der allerdings nur teilweise erhalten geblieben ist und in einer anderen Position dargestellt war. Das Motiv der Vögel im frühen Christentum wurde aus der Kunst der Antike übernommen und symbolisiert die menschliche Seele. Im Christentum repräsentiert der Pfau die Unsterblichkeit, was auf den Volksglauben, dass Pfauenfleisch nicht verrottet, zurückgeht. In der oberen rechten Ecke des Pluteus befindet sich die Darstellung eines lateinischen Kreuzes. Die Ränder des Pluteus wurden stufenweise profiliert. Auf der unteren und rechten Seite war der Pluteus verengt und in einem Bodenbalken und einem Pilaster mit einer Rille befestigt. Solche Elemente wurden an der Fundstätte gefunden.


Teller, afrikanische Sigillata, 5./6. Jahrhundert, Seefahrt- und Geschichtsmuseum des Kroatischen Küstenlandes Rijeka

Küche

Im Wohnbereich des Komplexes erforschte man 2017 und 2018 den Raum für die Zubereitung von Speisen – die Küche. In einem der Nebenräume wurden Überreste eines Ofens bzw. einer Feuerstelle gefunden. Es handelt sich dabei um eine unregelmäßige kreisförmige Struktur aus dicht gepackten ungleichförmigen Steinen. Um die Steinschicht herum befindet sich eine 30 cm breite Putzschicht. Während der Ausgrabungsarbeiten fand man hier eine große Anzahl von Tierknochen und Muscheln, zum Großteil Austern und Purpurschnecken (Bolinus brandaris). Es ist möglich, dass die Schnecken hauptsächlich zur Gewinnung von Purpurfarbstoff, wofür sie bekannt sind, und dann auch als Nahrungsmittel verwendet wurden. Eine Analyse des beweglichen Materials und eine an der Feuerstelle entnommene Kohleprobe deuten darauf hin, dass sich dieser Raum in die Zeit von der Mitte des 5. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts zurückdatieren lässt. In diesem Raum fand man die höchste Konzentration an spätantikem Keramikmaterial einschließlich einer vollständig erhaltenen Öllampe.


ZisternE

An der Fundstätte entdeckte man drei Wasserzisternen, die für die reibungslosen Abläufe im Sakralgebäude und das Leben im Komplex notwendig waren. Zwei kleinere befinden sich neben dem Kirchengebäude und wurden als Nebenräume errichtet. Eine der Zisternen wurde dem Baptisterium hinzugefügt und diente zur Speicherung des für die Durchführung der Taufriten benötigten Wassers.

Die dritte und größte Zisterne befindet sich im Wohnbereich des Komplexes gegenüber dem Küchenbereich. Ihre Wände sind mit rötlichem Hydraulikputz ausgekleidet. Die Wände der Zisterne sind verstärkt, und an der Westseite der Westwand befinden sich drei Strebepfeiler, die zum Tragen der leider nicht mehr erhaltenen Gewölbestruktur beigetragen haben. Die Zisterne wurde 2020 vollständig konserviert und der verputzte Boden mit Kies bedeckt.


Ara, 1. Jahrhundert, Archäologische Sammlung Cickini

Ara

Zusätzlich zu den Funden aus der Spätantike wurden im Komplex zahlreiche Spolien gefunden – Teile eines älteren Gebäudes, in diesem Fall der Villa Rustica, die als Baumaterial für ein neues Bauwerk verwendet wurden. Dazu gehören Fragmente von Tegulae mit Siegeln, das Fragment eines Marmorsarkophags, Fragmente von Steinurnen und vor allem ein Altar – Ara. Dieses Steinmonument fand man im Flurbereich vor dem Kücheneingang eingebaut in eine Wand.

Es ist fast vollständig erhalten, hat eine rechteckige Form mit relativ kleinen Abmessungen (43 x 22 cm). Auf der Vorderseite befindet sich eine Widmungsinschrift: Q(intvs) FONTEIV(s) MAXIMVS DIANAE V(otum) S(olvit) L(ibens) M(erito).

Aus der Inschrift geht hervor, dass der Altar von Quintus Fonteius Maximus zu Ehren von Diana errichtet wurde, der Göttin der Jagd, der wilden Tiere und der Wälder, die oft in ländlichen Gebieten verehrt wurde. Als die römischen Götter nicht mehr verehrt wurden und die Menschen zum Christentum konvertierten, wurde der Altar entsorgt und als Baumaterial für den Bau dieses Wohnkomplexes verwendet.